Im neuen Schuljahr heißt es wieder: Achtung Kopfläuse!

Kaum geht der Sommer zu Ende, steht mit der neuen Heizperiode ein schon verdrängtes Problem bei vielen Familien wieder auf dem Programm: der Kampf gegen die Kopfläuse. Lange Zeit glaubte man, sie seien in Mitteleuropa so gut wie verschwunden. Doch seit einigen Jahren zeigen die Statistiken der Gesundheitsämter jährlich steigende Zahlen. Kopflausbefall gehört inzwischen nach den Erkältungskrankheiten zu den häufigsten Infektionskrankheiten bei Kindern und sind kein Zeichen mangelnder Hygiene.


Läuse tauchen immer dort auf, wo Kinder gern Ihre Köpfe zusammenstecken: im Kindergarten und in der Grundschule. Schnell wechseln sie so von Kopf zu Kopf – egal ob frisch gewaschen oder eher fettig, glatt oder lockig. Sie können zwar nicht hüpfen wie ein Floh und auch nicht fliegen, sind aber trotz ihrer maximalen Größe von ca. 3mm sehr schnell auf den Beinen. Sie ernähren sich ausschließlich von menschlichem Blut und benötigen für Wachstum und Eiablage eine Temperatur von ca. 35°Grad. Deshalb ist der Hinterkopf sowie der Nacken- und Ohrbereich für sie ein idealer Lebensraum. Unter lagen Haaren wird es natürlich noch wärmer als unter kurzen, entsprechend häufiger sind die Quälgeister auf Mädchenköpfen zu finden. Jungen haben es da leichter, auch wenn es darum geht sie wieder los zu werden.

In der Nachkriegszeit wurden mangels anderer Mittel bei Läusebefall meist rigoros die Köpfe rasiert. Heute greift man auf moderatere Methoden zurück. Geblieben ist eine gute Portion Ekel und Ratlosigkeit wie die Biester zu finden und zu behandeln sind. Der Apotheker als Fachmann weiß: „Durch das schnelle Wachstum, die rasche Eiablage und Geschlechtsreife braucht man wirksame Mittel und eine gute Portion Disziplin um sie wieder los zu werden.“ Heiko Meyer, Apotheker und Inhaber der Ruhrland-Apotheke hat schon zu so manchem Krabbeltier seine Diagnose abgeben müssen. „Kopfläuse machen vor niemandem halt und so schnell wie man sie bekommt, sind sie leider nicht verschwunden.“ Und das betrifft nicht nur die Haare, sondern auch die Umgebung. Kleidung, Bettwäsche, Kissen, Handtücher und Stofftiere müssen bei 60°Grad gewaschen, für 2 Tage in die Gefriertruhe gelegt oder für 14 Tage in einer Plastiktüte gut verschlossen werden. Dann können die Plagegeister nicht überleben. Vorbeugen kann man durch Shampoos die Duftstoffe abgeben, wie Weidenrinde oder Niemöl. Die Läuse suchen sich bei dem Geruch oft lieber einen anderen Kopf.

Wenn sie sich bereits eingenistet haben, helfen nur chemische Substanzen in Shampoos und Lotionen, die die Tierchen abtöten. Gegen die Eier (Nissen) hilft dagegen der regelmäßig und über mehrere Wochen eingesetzte Nissenkamm im nassen Haar. In jedem Fall sollte man bei den ersten Kratzzeichen des Kindes zur Lupe greifen und auf Läuse- bzw. Nissensuche gehen. Wenn man fündig wird heißt es schleunigst Schule oder Kindergarten und auch die Freunde zu informieren. Läuse sollten niemandem peinlich sein und sind meldepflichtig. Falsche Scham fördert nur ihre Verbreitung. Und wenn man unsicher ist, ob es sich um Läuse handelt oder nicht, schafft der schnelle Gang zum Kinderarzt Klarheit.

 

 

Erschienen im Stiepeler Bote,  Nr. 173, Sept. 2010