Wie gefährlich sind Zeckenstiche wirklich?

Zecke

Sinnvolle Maßnahmen gegen Borreliose

Mit den ersten Frühlingstagen werden die unangenehmen Krabbler wieder aktiv. Gerade wenn das schöne Wetter die Menschen ins Grüne lockt und Wiesen und Wälder mit Joggern, Walkern und Familien beim Picknick-Ausflug bevölkert werden, suchen Sie sich unbemerkt ihre Opfer. Anders als die Frühsommer-Meningokokken-Enzephalitis (FSME), die zumeist in Bayern und Baden-Württemberg auftritt, treten mit Borrelien infizierte Zecken überall in Deutschland auf.  Und im Gegensatz zur FSME gibt es gegen die Erreger der Lyme-Borreliose derzeit noch keinen Impfstoff.



Die Zecken sitzen auf Grashalmen, im trockenen Laub oder niedrigem Gebüsch und ganz besonders im Wald oder waldnahen Wiesen. Allerdings tauchen sie, laut aktuellen Statistiken, immer öfter auch in Stadtparks und Gärten auf. Durch Haustiere und vor allem Igel werden sie inzwischen fast überall verbreitet. Lediglich im Gebirge ab einer Höhe von ca. 1.300 Metern ist man vor ihnen wirklich sicher. Die aktivste Zeit der Zecken liegt hier bei uns zwischen Mitte Mai und Mitte September. Sich aber nur in diesem Zeitraum zu schützen, ist aber manchmal nicht ausreichend, denn schon ab 8 Grad werden die Tiere, die biologisch zu den Spinnen gehören, wieder aktiv.

 

Absuchen und entfernen

Wer also draußen nicht ständig lange Hosen und Stiefel tragen will, sollte sich mit alternativen Abwehrmöglichkeiten beschäftigen. Hautgels, Zecken- oder Insektensprays wehren die Tierchen bis zu 3 Stunden ab. Ihre Wirkung ist aber leider nicht hundertprozentig sicher. Ein Absuchen von Beinen, Armen und Hals ist daher immer zu empfehlen, wenn man sich in Wald und Wiese aufgehalten hat. Besonders bei Kindern sollte man nach dem Spielen im Freien genau hinschauen. Zecken setzen sich gerne in haarfreien Hautfalten wie z. B. Kniekehlen fest. Im ersten Wachstumsstadium sind Zecken kaum größer als ein Stecknadelkopf. Wenn man eine Zecke findet, sollte diese möglichst frühzeitig entfernt werden. Dazu zieht man  die Zecke am Kopf und gerade aus der Haut und desinfiziert die Einstichstelle. Besonders gut dazu geeignet ist eine spezielle Zeckenzange oder Zeckenkarte. Hiermit lässt sicht das leicht selbst bewerkstelligen. Ein Arztbesuch ist dafür in der Regel nicht notwendig.
Reißt jedoch ein Teil der Zecke ab oder bleibt stecken ist ein Arztbesuch unerlässlich. Das Gleiche gilt, wenn nach dem Stich eine Rötung oder Schwellung auftritt.

Schwierige Diagnose

Die Symptome der Borreliose sind vielfältig und werden leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt. Bei Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen, Fieber und Gelenkschmerzen denken viele eher an eine Sommergrippe als an den Zeckenstich. Oft wird sie auch mit Rheumatischen Erkrankungen oder Arthrose verwechselt. Besonders dann, wenn der Zeckenbiss schon ein paar Tage zurückliegt. Manchmal kann es bis zu zwei Wochen dauern, bis sich die ersten Zeichen einer Borreliose-Infektion einstellen. Die Erreger können sowohl Muskeln und Gelenke als auch Nervenzellen angreifen. All diese Symptome können im letzten Stadium chronisch werden. Um dies zu verhindern, werden frühzeitig Antibiotika gegeben. Die Borreliose greift später zunehmend das Immunsystem an, ohne dass der Körper den Erreger selbst ausrotten könnte.

Nicht jeden trifft es

Nur etwa 2 – 6% aller Gestochenen infizieren sich mit Borrelien, von denen wiederum rund 1% Symptome entwickelt. Man schätzt aber, dass jedes Jahr um die 100.000 Menschen in Deutschland an Borreliose erkranken. Insgesamt ist die Zahl der Erkrankungen in den letzten Jahren gestiegen. Eine sichere Diagnose der Borreliose ist aufgrund der vielschichtigen Symptome und dem zeitlich extrem verzögerten Auftreten schwierig. Auch die sogenannte kreisförmige Wanderröte an der Einstichstelle tritt nur in jedem zweiten Fall auf. Und viele Betroffene, die erst Jahre später Symptome entwickeln, können sich an einen Zeckenstich überhaupt nicht mehr erinnern.


Tests oft unsicher

Leider sind auch die möglichen Tests um die Erreger festzustellen nicht wirklich sicher. Ganz entscheidend für eine zügige Diagnose ist die Erfahrung des Arztes und des Labors, das die Blutproben untersucht. Oft führt nur eine Reihe von Tests nach dem Ausschlussverfahren zu einem eindeutigen Ergebnis. Inzwischen werden auch Tests angeboten, mit denen man die Zecke selbst auf Erreger checken kann. „Doch selbst wenn auf diesem Wege Borreliose-Erreger gefunden werden, heißt das noch lange nicht, dass man infiziert ist.“, warnt Heiko Meyer, Apotheker und Inhaber der Ruhrland-Apotheke. „Solche Schnelltests für zuhause sind mit Vorsicht zu behandeln. Besser ist es jemanden zu fragen, der sich damit auskennt, bevor man derlei Tests im Internet bestellt und sich vorschnell auf das Ergebnis verlässt. Wir können dagegen auch in Sachen Prävention sinnvoll beraten.“

 

Erschienen im Stiepeler Bote, Juni 2012