Fieber besser umsichtig behandeln

Das erste unübersehbare Anzeichen für eine Krankheit ist der Anstieg der Körpertemperatur. Der Kopf glüht, die Glieder schmerzen und man wird von Schüttelfrost geplagt. Fieber ist zwar unangenehm, aber es ist ein wichtiger Teil der körpereigenen Abwehr.


Als Begleiterscheinung von Infekten tritt Fieber je nach Alter unterschiedlich auf. Für alle Altersgruppen gilt aber: Es hilft dem Körper Krankheitserreger wie Viren und Bakterien zu bekämpfen. Besonders Viren mögen keine Wärme und werden so effektiv an der Vermehrung gehindert. Fieber hilft uns also schneller gesund zu werden. Wenn man sich mit Fieber und Schüttelfrost ins Bett legt, tut man instinktiv das Richtige. Durch Lindenblüten- oder Holundertee kann man kurzfristig die Körpertemperatur sogar noch steigern und die Krankheit „ausschwitzen“.

 

Fieber verändert sich mit dem Alter
Achtung bei Temperaturen über 39,5 Grad, denn Fieber schwächt den Körper. Ein gesunder Mensch verkraftet dies kurzfristig ohne Probleme. Bei Babys, Kleinkindern, älteren Menschen und Personen mit Kreislaufproblemen kann es dagegen gefährlich werden. Grundsätzlich bekommen die Jüngsten leicht Fieber, manchmal auch ohne erkennbaren Anlass, Ältere dagegen nur noch selten. Deshalb heißt es über 60 besonders wachsam zu sein, denn Fieber tritt auch bei schweren Infektionen der Blase oder Niere oder Autoimmunstörungen wie Rheuma auf.

Richtig messen
Ein Thermometer zum Messen des Fiebers gehört in jede Hausapotheke. Die alten Glasthermometer mit der giftigen Quecksilbersäule sind inzwischen ja fast verschwunden, da sie nicht mehr verkauft werden dürfen. Neuere Modelle aus Glas enthalten Ersatzstoffe, die die Temperatur an einer farbigen Säule anzeigen. Die Messpunkte zum Messen am Körper liegen hierfür unter der Zunge, in der Achsel oder rektal. Weit verbreitet - weil relativ bruchsicher, ist das elektronische Kontaktthermometer mit digitaler Anzeige. Es zeigt schneller als das Glasthermometer die Temperatur an, misst aber hin und wieder ungenau. Und die Achsel ist als Messpunkt hierfür ungeeignet. Der Apotheker und Fachmann Heiko Meyer empfiehlt bei Kindern ab einem Jahr das Ohrthermometer, das per Infratorstrahl direkt am Trommelfell misst. Er schränkt aber ein: „Für Babys ist es ungeeignet. Und Voraussetzung ist, dass kein Ohrenschmalz vorhanden ist und keine Mittelohrentzündung vorliegt.“ Als letzte Variante gibt es das Stirnthermometer, das an der Schläfe oder der Stirn angesetzt wird und ebenfalls per Infrarot misst. Hier kommt es allerdings häufig zu Fehlmessungen. Wer unsicher ist, sollte besser mit einem herkömmlichen Thermometer rektal nachmessen.

Wann zum Arzt?
Mit Kindern sollte man bei Temperaturen über 39 Grad in jedem Fall zum Arzt gehen und ggf. zu fiebersenkenden Mitteln greifen. Heiko Meyer empfiehlt für die Kleinen je nach Alter Paracetamol oder Ibuprofen als Zäpfchen oder Saft. „Wichtig ist bei kleinen Kindern immer die Dosierung dem Körpergewicht anzupassen. Deshalb vorher gut die Angaben auf dem Beipackzettel lesen. Und bitte Finger weg von ASS (z.B.: Aspirin®), das erst ab 14 Jahren gegeben werden darf.“ Der Grund: Acetylsalciylsäure kann bei Kindern schwere gesundheitliche Probleme verursachen. Erwachsene können dagegen zwischen den drei Stoffen frei wählen. Bei langwierigen Infekten kann es ratsam sein, zwischen den Wirkstoffen zu wechseln. ASS und Ibuprofen wirken zusätzlich entzündungshemmend. Alternativ funktioniert bei allen, besonders bei Kindern, auch ein feuchter Lappen auf der Stirn oder der bewährte Wadenwickel als Fiebersenker. Kühl dürfen sie sein, aber nicht kalt und sie müssen regelmäßig alle halbe Stunde gewechselt werden. Zwischen 38,1 und 38,9 Grad sollte man sich einfach schonen und sein Immunsystem arbeiten lassen. Viel trinken und mit Brühe oder Salzstangen den Salzhaushalt ausgleichen hilft zusätzlich. Und natürlich gilt die Regel, die jeder schon als Kind gelernt hat: Erst wieder aufstehen, wenn das Fieber weg ist. Einfach seiner gewohnten Arbeit nachzugehen wäre sträflicher Leichtsinn. Damit riskiert man Komplikationen und Folgeerkrankungen.

 

 

 

Erschienen im Stiepeler Bote, Nr. 174, Oktober 2010